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  • 🌿 Beobachtungen

    Die Reisende Seele beobachtet.

    Manchmal sind es Tiere.

    Manchmal Pflanzen.

    Manchmal eine Jahreszeit, ein Gedanke oder ein Augenblick, der sonst unbemerkt vorübergehen würde.

    Die Beobachtungen sind Einladungen zum Innehalten.

    Nicht, um Antworten zu finden.

    Sondern um genauer hinzusehen.

    Vielleicht zeigt sich dabei etwas, das schon die ganze Zeit da war.

    Es fehlt nichts.

    🌿

    Die Rückkehr der Frösche

    Im März begegnete ich auf einem Spaziergang einem Froschpaar.

    Sie trug ihn Huckepack.

    Langsam und etwas unbeholfen hüpften die beiden über die Straße. Die Haut wirkte trocken und der Weg schien weit.

    Ich hob die beiden Wanderer vorsichtig auf und setzte sie an den Teich in meinem Garten.

    Danach wurde es still.

    Wochenlang hörte ich nichts.

    Kein Quaken.

    Keine Bewegung zwischen den Seerosen.

    Irgendwann dachte ich, sie seien vielleicht weitergezogen.

    Dann, vor zwei Wochen, änderte sich etwas.

    In der Nacht erfüllte vielstimmiges Quaken den Garten.

    Als ich am nächsten Morgen zum Teich ging, entdeckte ich sie.

    Überall am Ufer.

    Auf den Blättern der Seerosen.

    Zwischen den Steinen.

    Kleine Frösche.

    Dutzende von ihnen.

    Bei jedem Schritt hüpften einige zurück ins Wasser.

    Und plötzlich wurde mir klar:

    Die Frösche waren nie verschwunden.

    Während ich dachte, dass nichts geschah, war das Leben längst dabei, seinen eigenen Weg zu gehen.

    Vielleicht geschieht vieles genau so.

    Still.

    Unbemerkt.

    Und weitgehend unabhängig davon, ob wir es beobachten oder nicht.

    Der Teich wusste es längst.

    Ich brauchte nur etwas länger.

    🌿

    Die Entfernung zwischen uns

    Als die beiden Katzen zum ersten Mal auftauchten, bestand die Beziehung aus Entfernung.

    Sie hielten Abstand.

    Wir hielten Abstand.

    Dazwischen lagen einige Meter und viel Vorsicht.

    Dann geschah etwas Merkwürdiges.

    Die Entfernung wurde kleiner.

    Nicht auf einmal.

    Nicht an einem bestimmten Tag.

    Sondern beinahe unmerklich.

    Jeden Morgen ein wenig.

    Jeden Abend ein wenig.

    Heute warten sie manchmal schon, wenn wir kommen.

    Sie beobachten uns.

    Wir beobachten sie.

    Und irgendwo zwischen Futter, Katzenmilch und vorsichtigen Berührungen ist etwas entstanden.

    Ich weiß nicht genau, wann.

    Ich weiß nicht genau, wodurch.

    Aber die Entfernung zwischen uns ist kleiner geworden.

    Vielleicht ist Vertrauen genau das.

    Nicht etwas, das beschlossen wird.

    Sondern etwas, das wächst.

    So leise, dass man erst bemerkt, dass es da ist, wenn man sich erinnert, wie groß die Entfernung einmal war.

    🌿

    Die ersten Beeren

    Die ersten Beeren im Garten sind bereits rot.

    Sie tragen ihre Farbe.

    Ihre Form.

    Ihr Versprechen.

    Wer an ihnen vorbeigeht, könnte glauben, sie seien fertig.

    Doch wenn man eine probiert, fehlt noch etwas.

    Nicht viel.

    Nur ein wenig Sonne.

    Noch ein paar warme Tage.

    Noch etwas Zeit.

    Von außen betrachtet wirken die Beeren bereits vollkommen.

    Im Inneren aber sind sie noch unterwegs.

    Sie reifen weiter.

    Still.

    Unbemerkt.

    Tag für Tag.

    Vielleicht geschieht vieles genau so.

    Manches sieht von außen längst fertig aus.

    Und braucht dennoch Zeit, um seine innere Süße zu entwickeln.

    Die Beeren wissen das.

    Sie haben keine Eile.

    Sie hängen einfach im Morgenlicht und warten auf die Sonne.

    🌿